© – Gunda v. Dehn „Viktoria“ aus meinem Musical „Die Stedinger“

 

Brookmerlandt2

Brookmerland mit Oldeborg

Geschichte des Brookmerlandes

Man nimmt an, dass der Name „Broeckmarlandt“ (heute „Brookmerland“) abzuleiten ist von dem „nassen“, dem „Bruchland“, so wie es auch die „Oderbrüche“ gibt. Andererseits gab es den einst bedeutenden germanischen Stamm der Brukterer, der anfangs zwischen der mittl. Ems und der oberen Lippe siedelte (Teilnehmer an der Varus-Schlacht). Jenes Gebiet wurde von den Römern verwüstet, so daß eine Umsiedlung stattfand. Später wurden die Brukterer von den Franken ‚aufgesogen‘. Auch von diesem Stamm kann die Landschaft evtl. ihren Namen erhalten haben. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, dass dieser Name von dem altdeutschen Wort „Bruch“, d. h. Buße, abgeleitet worden ist. Die sog. „Brüche“ waren Strafen der freiwilligen Gerichtsbarkeit – überwiegend in pekuniärer Form. Es ist aber durchaus möglich, dass es sich hier ursprünglich bei der Bezeichnung ‚Brookmerland’ (früher übrigens mit einem „o“ geschrieben; Brok = Bruch) um einen uralten ehemaligen Gerichtsbezirk gehandelt hat. Ein Bruch war schon in keltischer Zeit eine Region der Gerichtsbarkeit. Dort wurden auch Menschen hingerichtet bzw. im Moor ertränkt. Hier bietet sich als Indiz der ins Moor führende Rechtsupweg bei Upgant an. Ich vertrete diese Ansicht, weil in der Nähe (heute Marienhafe) mit großer Wahrscheinlichkeit eine Heilige Stätte gewesen ist, die zur Bauernschaft an der Gant (dem vorgeschobenen Meeresarm) gehörte. Auf derartigen Heiligen Stätten wurde der Thing abgehalten, ebenso wie kultische Handlungen verübt und eben auch Gericht gehalten. Das Moor war eine beliebte Hinrichtungsstätte. Der Weg dorthin – der Gerichtsweg / Gerechtigkeitsweg – führte ins Moor.

Vor dem Westrand des über weite Strecken mit Hochmoor bedeckten ostfriesischen Geestrückens zog sich eine ausgedehnte Niederungszone hin, die von flachen Binnenseen durchsetzt war. Dieser Raum bildete ursprünglich das natürliche Grenzgebiet des Bistums Münster gegenüber dem Erzbistum Bremen. In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts verselbständigte sich das Brookmerland als autonome Landesgemeinde. Es gliederte sich in drei Mittelbezirke mit jeweils zwei Hauptkirchen: Marienhafe und Engerhafe, Victorbur und Wiegboldsbur, Bedekaspel und Blaukirchen.

Die „Oll Börg“ befand sich gem. „Erdbeschreibung des Fürstentums Ostfriesland und Harlingerlandes von Fridrich Arends (Emden 1824)“ beinahe am „westlichen Ende des Dorfes, an der linken Seite des nach Veenhusen gehenden Postweges“  – (Anm.: Das Dorf endete am Hafen. Der Weg führte hinter Burg entlang) – „Um 1824 war die Stelle wohl noch zu erkennen, obgleich in einen Kohlgarten verwandelt. Die Burg bildete ein Viereck, 40 Schritt lang und breit; der rundum gehende Graben ist im Westen und Norden an der Vertiefung noch zu bemerken, süd- und ostwärts in einen Schloot verwandelt. Die nordöstliche Ecke des Grabens fließt gerade in den Weg. Jene Schlöte sitzen noch voller Steine und noch vor zwei Jahren hat man eine doch nicht mehr festsitzende Mauer an der westlichen Seite im Grunde gefunden. Die Einwohner weisen noch den Ausgang aus der Burg nach, welcher im Süden war, erst eine kleine Strecke westlich lief, dann nördlich nach dem jetzigen Postweg. Sie ist zum Teil noch zu erkennen, doch niedrig, so wie die Gegend im Westen auf ziemliche Ausdehnung, im Winter meist unter Wasser stehend. Die Burgstätte selbst ist etwas höher als die Umgegend. Südseits daran aber ist eine viel höhere Stelle, worauf jetzt ein Platz steht.“

Die Burgstraße (K 117) gab es damals noch nicht, ebensowenig den Weg nach Engerhafe (Ut ‚n grahove); der Kolk war in späterer Zeit ausgewaschen bis zur Burg, die dann direkt auf der Abbruchkante stand.  Auf der „Hohe Lücht“ (= „Hohes Licht“ – heute fälschlicherweise „Lohne“ genannt – auf der unten angeführten Karte mittig als Burgstelle bezeichnet) stand vermutlich an der Steuerbordseite der Hafeneinfahrt ein Wegweiser, ein Donjon als Leuchtturm, ähnl. wie das „Alte Vorwerk“ von Hamburg, welches aus derselben Zeit stammt.

Nahe der ehemaligen Hafeneinfahrt – an der heutigen Burgstraße befand sich auf der Backbordseite ein Deichdurchlaß zum Be- und Entladen (Schiffe hatten vielfach noch das Ruder auf der rechten Seite und nicht am Heck). Wie mir berichtet wurde, befindet sich dieses Gewölbe heute unter einem Einfamilienhaus schräg gegenüber der heutigen Lohne an der linken Seite der Hafeneinfahrt. Man sprach davon, dass dies ein ehemaliger Fluchttunnel bis nach Marienhafe gewesen sei. Dem ist aber nicht so, und auch der vermutete Abwasserkanal, mannshoch und überwölbt als Tunnel (?) stellt sich selbst in Frage. Anfallende Abfälle – und das waren  verhältnismäßig wenige – wurden im Mittelalter normalerweise einfach auf den Esch oder den Anger geworfen,  vom Wasser fortgespült oder auch vergraben. Bedenkt man allein die immensen Kosten für die Steine, dann kann man davon ausgehen, dass es eine extra aus Backsteinen gemauerte Abwasserleitung gewiß nicht gegeben hat!

Die alte Burgstelle lag an den Oldeburger Äckern auf einer Warft. Auf einem wasserreichen, weichen Baugrund wurde aufgrund der Probleme mit dem Einsinken des Bauwerkes – Deichen sanken z.B. auch ab – normalerweise keine Burg errichtet (also z. B. nicht in Fehnhusen). Schutzgräben wurden nach dem Bau ausgehoben und durch natürliche Wasserläufe gefüllt. Der sog. „Krumme Acker“ zu Füßen der Burg war vermutlich ein Handelsplatz direkt am Hafengelände (Krum = Handelsplatz, mit einer Krümmung hat das nichts zu tun). Der Alte Postweg (auf der Karte am „Deller“ vorbei am Krumme Acker) hatte einen anderen Verlauf als heute, er führte hinter der Olde Borg entlang Richtung Marienhafe.

Burgstätte

Vermutlich gab es in der Römerzeit einen von den Römern kontollierten „Grenzwall“. Da Reste aus der Römerzeit in Neermoor bzw. Dornum gefunden wurden, wird dieser Wall – wie bei den Römern üblich – jeweils in Sichtweite Beobachtungstürme gehabt haben. Dafür sprechen die Orte Neermoor, Engerhafe und Oldebeborg, die sich in einer Linie aufreihen. Ebenfalls scheint es in Engerhafe Anzeichen einer ehemaligen Stallanlage zu geben.

In Norden wurde Rasenerz verhüttet in sogenannten Rennöfen, das waren röhrenartige Öfen. Dort füllt man abwechselnd Rasenerz und Torf ein. Am Ende des Prozesses wurde der Ofen unterhalb der Erde angestochen. Das machte ein Arbeiter, der sog. „Renner“. Die Schlacke rann dann ab, daher der Name „Rennofen“. Das Erz bildete einen Klumpen, allerdings verunreinigt durch Schlacken, und konnte entnommen werden, um dann auf Findlingssteinen zugehämmert zu werden. Einer dieser Findlinge ist der sogenannte „Warzenstein“ von Norden, auf welchen sich zwei Einbuchtungen (Dellen) befinden, die vermutlich aus dieser Nutzung resultieren. Dies ist eine Arbeitsweise, um Eisen zu gewinnen, die vor rd. 2000 Jahren üblich gewesen ist. Es ist sinnvoll, dass die Römer, die ja viele Waffen etc. benötigten, diese Produktionsstätte und die Lagerstätten des dazu notwendigen Rasenerzes besonders geschützt haben, indem ein Grenzwall errichtet wurde. Es wäre sehr erfreulich, wenn moderne Luftaufnahmen Licht ins Dunkel tragen würden.

Anm. zu „Veenhusen“: Da das sogenannte  „feste Haus“ von Veenhusen im Besitz des Bischofs von Münster gewesen ist, handelt es sich vermutlich um einen Irrtum, wenn angenommen wird, dies sei die ehemalige „Oll Börg“ (= alte Burg) gewesen. „Veen“ bedeutet „Moor“; Veenhusen war also nur ein Haus im oder am Moor, keine Burg. Meines Wissens ist das Haus auch nie als „Burg“ bezeichnet worden. Das Veenhus wird erstellt worden sein, nachdem der neue Sendbezirk „Brokmannia“ geschaffen worden ist.
Dieser Sendbezirk von Münster wurde erst eingerichtet, nachdem der Gerichtshof von den „ten Broek“ bezogen wurde. (Anm.: Ein Redgerhof ist kein simpler Bauernhof, sondern ein Gerichtshof wie Den Haag bzw. s’Graveshage)  Es wird dort vorher kein „festes Haus“ der Diözese Münster gegeben haben, weil der Sendbezirk noch nicht existierte.  Es wird von der „Wüstenei“ berichtet, das Land war also im Prinzip ziemlich wertlos als es von den „ten Broek“ erworben wurde. Erst 1251 kam es zur Bildung der Propstei „Brokmannia“. Dieses Gebiet gehörte ursprünglich zum sächsischen Eigengut, welches als Lehen an Brabant bzw. von dort als Afterlehen an Holland vergeben war (durch polit. Gegebenheiten traten hier zwischenzeitlich Veränderungen ein). Der sog. „Hof der Maria“ wurde um 1247 veräußert. Meinen Forschungen zufolge ist es der „Hof der Maria“ gewesen, den Keno von Norden mitsamt den Ländereien als „Redgerhof“ (Gerichtshof) erworben hat. Erst nach dem Verkauf des Hofes der Maria anno 1251 kam es zur Bildung der Propstei „Brokmannia“. Das sog. „Veenhus“ wurde wohl notwendig, weil die „ten Broek“ nicht nur gleichzeitig Häuptlinge und Richter waren, sondern auch in Vertretung des Bischofs dem Sendgericht vorstanden (Erbamt). Der Amtssitz „Veenhus“ wurde insofern vermutlich u. a. als Sendgericht genutzt, denn jene Zeiten, in der das Gericht auf der Freistatt des Kirchhofes tagte, waren damals lange vorüber.


 

Der Kulturkreis „tom Brook“ Oldeborg e.V.: Bis vor einigen Jahren hatte sich eigentlich kaum jemand so richtig für die Geschichte Oldeborgs interessiert. Doch der Roman „Die tom Brook“ weckte die Begeisterung für das historische Erbe Oldeborgs. So wurde am 28. Oktober 1997, in Anlehnung an das historische Datum der Schlacht auf den Wilden Äckern im Jahre 1427, der Kulturkreis “tom Brook” Oldeborg e.V. gegründet. Die Vereinsarbeit wurde auf drei Säulen gestellt:

–  Aufarbeitung der Häuptlingsgeschichte der “tom Brook”

–  Bodenforschung zur exakten Standortbestimmung der „Oll Börg“ (Olde Borg)

–  Darstellung der Orts-, Haus- und Hofgeschichte.

Luftbildanalysen sollen Aufschluß über die Vollständigkeit der bislang zusammengetragenen Informationen geben und ein gezieltes Vorgehen bei der Erforschung des geschichtsträchtigen Bodens erlauben.


Hinweis: „Chroniken der tom Brook“

Band I „Chroniken der tom Brook“:  als ebook bei Amazon u.v.a. Anbietern erhältlich
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Band II „Chroniken der tom Brook“ : http://store.kobobooks.com/de-DE/ebook/chroniken-der-tom-brook-1

 

AutogrammkarteGundaDie o.g. Bücher über die Familie „tom Brok“ fußen auf historisch verbrieften Begebenheiten, zusammengefügt zu spannungsgeladener, einfühlsamer Literatur
In dem Dorf Oldeborg im heutigen Südbrookmerland hat die Burg der „tom Brok“ gestanden, des mächtigsten Häuptlingsgeschlechts Ostfrieslands. Von der Häuptlingsfamilie tom Brok wurde im 14. und 15. Jahrhundert ein wesentlicher Teil der Geschichte Ostfrieslands geschrieben. Die historischen Romane “Chroniken der tom Brook” behandeln eine bedeutende Phase dieser Zeit, nämlich die Hegemoniebestebungen der tom Brok.

 letzte Änderung 15. Nov. 2018