Wieland der Schmied

Der Schmied Wieland – auch Wayland genannt, ist ein Held aus der Edda. Die Edda ist eine isländische Sagensammlung aus dem 13. Jh. Wieland wird aber schon in „Beowulf“ erwähnt – 6. bis 9. Jh.

Die Orte Vellerby in Dänemark und Sisebeck in Schweden nehmen für sich in Anspruch, dass Wieland dort begraben ist. Auch bei uns ebenso wie in England, Dänemark und sogar Belgien gibt es Stätten, um die sich Wieland-Sagen ranken und die für sich in Anspruch nehmen, dass dort Wielands Schmiede gewesen sei. Die bekannteste Sage rankt sich wohl um jenen Grabhügel von Uffington in Südengland, der Waylands Smithy genannt wird. Der Sage nach wohnt der Geist von Wieland dort noch heute. Wenn ein Pferd sein Eisen verloren hat, muß man es dort anbinden, eine Münze dalassen und dann fortgehen. Wenn man nach einiger Zeit zurückkehrt, soll das Pferd neu beschlagen sein.

In Seeland am Ostmeer lebte der Riese Wade. Wade hatte drei starke Söhne. Die beiden älteren, Slagfider und Egil, wurden wackere Kämpen; Wieland wurde zu dem Zwerg „Mimir“ in die Lehre geschickt. Der Riese Wade und Mimir schlossen eine Art Lehrvertrag ab, der ein Jahr währen sollte. Dafür zahlte der Riese ‚Lehrgeld‘. Als das Jahr herum war, wollte Mimir den jungen Wieland nicht herausgeben, weil er sehr gelehrig war und ihm gut gedient hatte. Der Riese war damit einverstanden, Wieland noch dort zu lassen, wenn Mimir ihm das Lehrgeld zurückzahle. Dies tat der Zwerg unter der Bedingung, daß der Riese seinen Sohn pünktlich bei Mimir abholen werde, wenn die Zeit abgelaufen war. Sonst, so der Zwerg, werde er Wieland töten.

Der Riese stimmte dem zu. Er war aber klug und dachte sich, dass er aus irgendeinem Grunde vielleicht verhindert sein könnte, seinen Sohn pünktlich abzuholen. Darum versteckte er vor Mimirs Höhle ein Schwert, damit Wieland sich nötigenfalls damit verteidigen könne.

Als nun das Jahr zur Neige ging, machte sich der Riese Wade auf den Weg und wanderte bis zur Erschöpfung. Dadurch kam er zu früh an. Erschöpft wollte er ausruhen und wählte sein Lager nah der Zwergenhöhle. Doch nächtens löste ein Unwetter einen Bergrutsch aus und Wielands Vater wurde darunter begraben.

Als der Zwerg den jungen Wieland an seinen Vater übergeben wollte, war der Riese nicht da. Der junge Schmied aber sah die niedergegangene Geröllhalde und wußte, daß sein Vater darunter umgekommen war. Rasch nahm er das verborgene Schwert an sich und erschlug Mimir, um sein eigenes Leben zu retten.

Wieland zog nun zu seinen beiden Brüdern. Gemeinsam lebten sie in einem einsamen, aber sehr wildreichen Tal. Auch gab es dort den Wolfssee, der ihnen reichlich Fisch lieferte.

Eines Tages schwammen drei Schwäne über den Wolfssee. Am Ufer streiften die Schwäne ihr Federkleid ab. Und siehe da, es waren wunderschöne Jungfrauen.

Die drei Brüder aber entwendeten den Jungfrauen die Schwanenkleider. Dadurch konnten sie sich nicht zurückverwandeln und mußten bei den Brüdern bleiben, die sie zu ihren Weibern nahmen. Zu Anbeginn waren sie sehr glücklich miteinander und Herwör, Wielands Weib, schenkte ihm einen Ring, der die ewige Liebe erhalten sollte. Nach sieben Jahren aber überkam die Schwanenfrauen große Sehnsucht nach ihrer Heimat. So geschah es, dass die Schwanenfrauen nach ihren Federkleidern suchten und eines Tages, als die Brüder zur Jagd waren, verließen sie ihre Gatten und flogen heim.

Während die Brüder von Wieland fortzogen, blieb Wieland daheim, denn er glaubte an die Kraft der ewigen Liebe, die dem Ring, den Herwör ihm geschenkt hatte, innewohnen sollte.

Wielands Ruf, ein kunsfertiger Schmied zu sein, aber hatte sich schon weit verbreitet und so hörte auch der König der Njaren (d. i. Schweden) davon. Der König ließ Wieland fangen und in sein Königreich entführen. Dabei raubte man Wieland auch den prächtigen Ring der Schwanenfrau, und der König schenkte ihn seiner Tochter Bathild.

Weil König Niedung befürchtete, Wieland werde fliehen, ließ er Wieland die Kniesehnen durchtrennen und auf eine meerumspülte Insel verschleppen. Nun musste Wieland für den König die besten Waffen schmieden, die man je gesehen hatte.

Das Schmiedeverfahren für das Zauberschwert ‚Mimung‘ ist wie folgt überliefert:

Das Eisen wurde geglüht und gehärtet. Nach diesem ‚normalen‘ Verfahren machte Wieland feine Eisenspäne daraus. Diese Späne mengte er dem Gänsefutter bei. Die mit dem Kot ausgeschiedenen Eisenspäne wusch er wieder heraus und schmolz sie erneut ein, um davon in althergebrachter Weise ein Schwert zu schmieden. Danach verfuhr Wieland mit dem Schwert noch einmal so wie zuvor. Er machte Späne daraus, verfütterte sie, wusch die Späne aus dem Gänsekot und schmiedete ein neues Schwert. Das war das berühmte Zauberschwert ‚Mimung‘.

Heute (seit Forschungsergebnissen von 1936) wissen wir, dass es sich bei diesem Verfahren tatsächlich um eine Art Nitrathärtung handelt.

Die beiden Söhne des Königs aber brannten vor Neugier und wollten Wieland bei der Arbeit zusehen. So geschah es, dass sie Wieland heimlich auf seiner Insel besuchten.Wieland aber war blutgierig und rachedürstend und erschlug die beiden Prinzen. Verschlagen fertigte er aus ihren Schädeln Trinkgefäße. Diese schenkte er dem König.

Bathild, die Tochter des Königs, trug nun schon seit langem den Ring der Herwör. Eines Tages geschah es, daß der Ring zerbrach. Aus Furcht vor ihrem Vater bat Bathild Wieland, ihr den Ring instandzusetzen. Wielands Racheglüste waren aber immer noch nicht gestillt und so nahm er Bathild zum Weib. Nun endlich wähnte Wieland seine Rache gestillt.

Er hatte aber heimlich ein Federkleid für sich gefertigt, mit dem er entfliehen wollte. Als nun Bathild zurück zum Vater geeilt war, schlüpfte er in das Federkleid, schirmte seine Brust und schnürte sich vorsorglich eine Schweinsblase mit Blut davor. Dann flog er hinauf auf die Zinnen der Königsburg.

Als der König den Schmied dort oben auf den Zinnen sah, überkam ihn das Grauen und er ahnte, dass Wieland seine Söhne getötet hatte. Wieland beantwortete des Königs Frage danach nicht, sondern ließ den König einen Eid schwören, dass weder seinem Weib noch seinem Kind ein Leid geschehe. Danach erst bekannte der Schmied höhnend die Morde an den Knaben und dass die Trinkschalen, die er dem König geschenkt hatte, aus deren Schädeln gefertigt waren. Mit dämonischem Vergnügen verkündete er überdies dem König, dass er Bathild geschwängert habe.

Das konnte der König nicht ertragen. Erbittert befahl er seinem besten Bogenschützen, Wieland von der Zinne zu holen. Der Bogenschütze aber war Egil, der Bruder des Wieland. Egil erkannte seinen Bruder wohl, aber er folgte seinem Diensteid und lenkte einen Pfeil auf Wieland. Der Pfeil verfehlte sein Ziel nicht. Noch während Wieland die Schwingen ausbreitete, ergoß sich das Blut aus der Schweinsblase auf die Zinnen. Wieland aber konnte unverletzt davonfliegen.

Bathilde aber gebar einen Sohn, den sie Witege nannte. Als Witege herangewachsen war, zog er zu seinem Vater, der ihn das Kunsthandwerk des Schmiedens lehrte.

Gunda v. Dehn


AutogrammkarteGunda

Gunda von Dehn

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Letzte Änderung 12.11.2018