{"id":146,"date":"2014-04-08T16:13:27","date_gmt":"2014-04-08T14:13:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.von-dehn.de\/site\/?page_id=146"},"modified":"2023-10-05T22:14:14","modified_gmt":"2023-10-05T20:14:14","slug":"widzelt-kenisna-tom-brok","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.von-dehn.de\/site\/die-tom-brok\/widzelt-kenisna-tom-brok\/","title":{"rendered":"Widzelt Kenisna tom Brok"},"content":{"rendered":"<div id=\"fb-root\"><\/div>\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-146-1\" autoplay preload=\"auto\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.von-dehn.de\/site\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/02-Spur-2.mp3?_=1\" \/><a href=\"http:\/\/www.von-dehn.de\/site\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/02-Spur-2.mp3\">http:\/\/www.von-dehn.de\/site\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/02-Spur-2.mp3<\/a><\/audio>\n<h5 style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #993300;\"><span style=\"color: #800000;\">\u00a9 &#8211;<\/span> Gunda v. Dehn <span style=\"color: #800000;\">&#8211; &#8222;Flucht&#8220;<\/span><br \/>\n<\/span><\/h5>\n<h3>\u00a0<span style=\"color: #993300;\"><b><em>Widzelt Kenisna tom Brok<\/em> <\/b><\/span><\/h3>\n<p style=\"text-align: left;\"><b>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u2013 Lehnmann des Grafen Albrecht von Holland &#8211; <\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><b>ruhmvoller Kriegsheld oder ehrloser Usurpator?<\/b><\/p>\n<h4>Wir schreiben das Jahr 1398 im September.<br \/>\nIn Ostfriesland laufen die Menschen auf allen \u00f6ffentlichen Pl\u00e4tzen zusammen. Ein Herold verliest ein Dokument. \u2013 Widzelt Kenisna ist zum Lehnmann des Grafen von Holland erhoben worden! &#8211; Die Menschen sind aufgebracht und erz\u00fcrnt, manche reden von Betrug, Diebstahl, Raub! Warum diese Aufregung?<\/h4>\n<p><strong><span style=\"color: #800000;\">Blenden wir zur\u00fcck und schauen uns Ritter Ockos Lehnbrief aus dem Jahr 1381 (Chronik \u201eMonumenta Groningana\u201c S. 791) an:<\/span><\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_148\" style=\"width: 347px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.von-dehn.de\/site\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/Widzelt01.jpg\"><img decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-148\" class=\"wp-image-148\" src=\"http:\/\/www.von-dehn.de\/site\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/Widzelt01.jpg\" alt=\"Ocko I\" width=\"337\" height=\"290\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-148\" class=\"wp-caption-text\">Lehnbrief von Ritter Ocko I.<\/p><\/div>\n<p>Sieht man sich diesen Lehnbrief genauer an, so stellt man fest, dass er eindeutig die Ma\u00dfgabe enth\u00e4lt, dass das Erblehen auf die legitimen Nachkommen von Ocko I. \u00fcbergehen soll.<br \/>\nDer rechtm\u00e4\u00dfige Erbe war dessen Sohn Keno II. Dieser hatte Anspruch auf das Erblehen und niemand sonst. So geht es aus dem Lehnbrief von Ritter Ocko hervor. Eine bindende Klausel, die selbst der m\u00e4chtige Herzog von Bayern (Graf von Holland) nicht au\u00dfer Kraft setzen konnte. Nicht einmal der Kaiser. Nein, das konnte niemand. Den Statuten des Erblehnrechts musste Gen\u00fcge getan werden. Wie kam es dann aber, dass Widzelt Kenisna pl\u00f6tzlich das Erblehen erhielt?<\/p>\n<p>In der Chronik \u201eMonumenta Groningana\u201c (Seite 792) findet sich eine Abschrift des Lehnbriefes von Widzelt. Der &#8222;Opdragtbrief\u201c ist sehr lang, darum hier nur ein kurzer Auszug in \u00dcbersetzung:<br \/>\n&#8222;Wir, Wydzel, Herrn<b> Ocken Sohn<\/b>, und Volmaer, Allen Sohn (d.i. Folkmar Allena), H\u00e4uptlinge diesseits der Ems in Ostfriesland, tun kund allen Leuten, dass wir f\u00fcr uns und unsere Nachkommen mit unserem freien Willen\u2026 aufgetragen und geschworen haben\u2026 Herzog Albrecht von Bayern, Graf von Hennegau, Holland und Seeland, Herr von Friesland und seinen Nachkommen zum rechten Eigentum von solchen Landen, Herrlichkeiten, G\u00fctern und Schl\u00f6ssern, die wir nun zur Zeit halten, haben und besitzen zwischen der Ems und der Jade in Ostfriesland&#8230; &#8220;\u00a0 etc.<\/p>\n<p>Zusammenfassend bedeutet es, dass Widzelt alle seine bisherigen und noch zu erwartenden Eroberungen dem Herzog Albrecht von Bayern, Graf von Holland, \u00fcbertr\u00e4gt. Weiter \u00fcbertr\u00e4gt Widzelt dem Herzog ebenfalls alle Besitzungen aus dem Erbe von Ritter Ocko tom Brok. Letzteres ist merkw\u00fcrdig, weil Widzelt gar nicht der Erbe von Ritter Ocko gewesen ist. Demgem\u00e4\u00df hatte Widzelt gar keine G\u00fcter empfangen, die er dem Herzog h\u00e4tte \u00fcbertragen k\u00f6nnen. Trotzdem \u00fcbertr\u00e4gt Widzelt dem Grafen von Holland diese Besitzungen aus dem Erbe von Ritter Ocko! Gleicherma\u00dfen \u00fcbertr\u00e4gt der Graf von Holland mit dem Lehnbrief vom 11. September <b>1398 <\/b><strong>Widzelt und seinen Nachkommen<\/strong> all diese an ihn \u00fcbertragenen G\u00fcter als \u201eunsterbliches Erblehen\u201c.<\/p>\n<p>Wichtig ist im Zusammenhang mit der Lehn\u00fcbertragung die Formulierung \u201e<strong><span style=\"color: #800000;\">Ocken Soen<\/span><\/strong>\u201c. Das ist das Zauberwort, welches alles m\u00f6glich macht.<\/p>\n<div id=\"attachment_149\" style=\"width: 332px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.von-dehn.de\/site\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/Widzelt02.jpg\"><img decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-149\" class=\"wp-image-149\" src=\"http:\/\/www.von-dehn.de\/site\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/Widzelt02.jpg\" alt=\"Widzelt02\" width=\"322\" height=\"414\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-149\" class=\"wp-caption-text\">Lehnbrief von Widzelt Kenisna tom Brok<\/p><\/div>\n<p>Man hat hier offenbar entsprechende \u201eFakten\u201c konstruiert. Man passte Widzelts Herkunft den Erfordernissen an, das hei\u00dft, man modifizierte seine Herkunft, machte ihn zum Sohn von Ritter Ocko, also ritterb\u00fcrtig und legitim.<br \/>\nBei Ausstellung des Lehnbriefes hatte Widzelt bereits viele Jahre lang zusammen mit Foelke, Ockos Witwe, als Verweser f\u00fcr Ritter Ockos Sohn regiert. W\u00e4re Widzelt tats\u00e4chlich der rechtm\u00e4\u00dfige Erbe gewesen, dann w\u00e4re er auch nicht zum Vormund f\u00fcr Ritter Ockos minderj\u00e4hrigen Sohn bestellt worden.<\/p>\n<p>Im Mittelalter war man aber sehr findig, wenn es darum ging, die Erbfolge zu \u00e4ndern. Ritter Ockos Sohn, Keno II., hatte Gl\u00fcck, dass hier nur Urkundenf\u00e4lschung vollzogen wurde, anderswo wurde brutal zu Arretierung, Blendung, Entmannung gegriffen. \u00dcblicherweise wurden Mord und Totschlag angewendet, um das gew\u00fcnschte Ziel rasch zu erreichen. In letzter Konsequenz stellte diese Urkundenf\u00e4lschung auch f\u00fcr Keno II. eine betr\u00e4chtliche Lebensbedrohung dar.<\/p>\n<p>Zu jener Zeit gab eine Vielzahl m\u00e4chtiger Gro\u00dfgrundbesitzer zwischen Lauwers (Grenzfluss zw. der heutigen ndl. Provinz Friesland u. der Provinz Groningen) und Ems den Kampf gegen den Grafen von Holland auf, unterwarf sich und \u00fcbertrug dem Grafen s\u00e4mtliche Besitzungen, um sie als Erblehen von ihm zur\u00fcckzuerhalten.<br \/>\n<strong><span style=\"color: #800000;\">Folkmar Allena<\/span><\/strong>, der <span style=\"color: #800000;\"><strong>Held der Groninger Freiheitsbewegung,<\/strong><\/span> sah sich praktisch umzingelt von den Vasallen des Herzogs. Auch f\u00fcr ihn gab es keine andere M\u00f6glichkeit mehr, als sich zu unterwerfen.<\/p>\n<blockquote><p><span style=\"text-decoration: underline;\">Anmerkung zu Folkmar Allena:<\/span> Er entstammte vermutlich einem alten K\u00f6nigsgeschlecht: <b>&#8222;Finn<\/b>, son of Folcwald, was a legendary <a title=\"Frisia\" href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Frisia\">Frisian<\/a> king. He is mentioned in <i><a title=\"Widsith\" href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Widsith\">Widsith<\/a><\/i>, in <i><a title=\"Beowulf\" href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Beowulf\">Beowulf<\/a><\/i>, and in the <a class=\"mw-redirect\" title=\"Finnsburg Fragment\" href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Finnsburg_Fragment\">Finnsburg Fragment<\/a>. There is also a Finn mentioned in <i><a title=\"Historia Brittonum\" href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Historia_Brittonum\">Historia Brittonum<\/a>.&#8220; s. <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Tribes_of_Widsith\">Tribes of Widsith &#8211; Wikipedia<\/a> <\/i><\/p>\n<p><i>Der Name Widselt (=Widzelt) k\u00f6nnte evtl. beruhen auf <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Tribes_of_Widsith\">Widsith.<\/a><\/i> &#8211; Wenn das zutrifft, entstammen die tom Brok urspr\u00fcnglich dem Geschlecht der &#8222;Myrging&#8220; von Schleswig-Holstein. Diese Annahme w\u00fcrde \u00fcbrigens korrelieren mit der Gegebenheit, dass der d\u00e4nische Friesenk\u00f6nig Redbad bzw. Radbod\u00a0 ebenfalls von dort\u00a0stammte (K\u00f6nig von Haithabu). Die verschiedenen H\u00e4uptlingsfamilien waren untereinander sehr eng verwandt und es l\u00e4\u00dft sich vermuten, dass sie im Grunde denselben Ursprung hatten, n\u00e4mlich regierenden Wikingergeschlechtern!<\/p>\n<p><em>Der germanische Name <strong>Withold:<\/strong> \u201eWit\u201e, \u201eWid\u201c oder \u201eWidu\u201c wie in \u201eWidukind\u201c bedeutet Wald, \u201ehold\u201c (=held) bedeutet Mann oder Kerl in der althochdt. Sprache. Sinngem\u00e4\u00df ist<\/em> <em>m\u00f6glicherweise\u00a0 \u201eWithold\u201c\u00a0 die Grundlage f\u00fcr den Namen \u201e<strong>Widzelt<\/strong> ten Broek\u201c (=Widselt; \u2026elt = held) gewesen.<br \/>\n<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Der m\u00e4chtige H\u00e4uptling <span style=\"color: #800000;\"><strong>Folkmar Allena<\/strong><\/span> bot seine Alloden (ererbtes Eigengut) dem Grafen zu Lehen an und das waren enorm gro\u00dfe G\u00fcter jenseits der Ems. Nach mittelalterlichem Gesetz ben\u00f6tigte <span style=\"color: #800000;\">Folkmar Allena<\/span> aber einen <span style=\"color: #800000;\">ritterb\u00fcrtigen<\/span> <span style=\"color: #800000;\">B\u00fcrgen<\/span>, um \u00fcberhaupt <strong>Lehnmann<\/strong> des Grafen werden zu k\u00f6nnen. Dieser B\u00fcrge war nun <span style=\"color: #800000;\"><strong>Widzelt<\/strong><\/span>, er erhielt die Alloden von<span style=\"color: #800000;\"> <strong>Folkmar Allena<\/strong> <\/span>als Afterlehen (ein Lehen, das der Lehngeber selbst erhalten hat und an einen anderen Lehnnehmer weitergibt).<br \/>\nBevor das geschehen konnte, musste aber zuerst ein weiteres Hindernis beseitigt werden, denn auch Widzelt war nicht von <span style=\"color: #800000;\">ritterlicher Herkunft<\/span>. Das musste \u201eangepasst\u201c werden, sonst gelang der Plan nicht, denn selbst uralter Geburtsadel z\u00e4hlte nicht als ritterb\u00fcrtig.<\/p>\n<p>Im Jahre 1398 erforderten die politischen Gegebenheiten feste Strukturen, da <span style=\"color: #800000;\">Groningen<\/span> nun endg\u00fcltig erobert werden sollte. Nie war die Konstellation so g\u00fcnstig gewesen, die Groninger endlich niederwerfen zu k\u00f6nnen. <span style=\"color: #800000;\">Widzelt<\/span> und <span style=\"color: #800000;\">Folkmar Allena<\/span> hatten sich verpflichtet, zu bewirken, dass <span style=\"color: #800000;\">Groningen<\/span> sich dem Herzog unterwarf und ihm huldigte. F\u00fcr diesen Fall gestattete ihnen der Herzog sogar, ihm Rat bei der Besetzung der dortigen Obrigkeit zu erteilen.<br \/>\nDie Vermutung liegt nahe, dass <span style=\"color: #800000;\">Herzog Albrecht<\/span> nicht l\u00e4nger darauf warten wollte oder konnte, bis Keno II., m\u00fcndig wurde. Allerdings entsprach es den mittelalterlichen Gepflogenheiten, Kinder vorzeitig f\u00fcr m\u00fcndig zu erkl\u00e4ren, wenn es die Umst\u00e4nde verlangten.<br \/>\nNein, hier scheint absichtlich der <span style=\"color: #800000;\">&#8222;Eroberer&#8220; Widzelt<\/span> bevorzugt worden zu sein. W\u00e4hrend Ritter Ockos G\u00fcter noch relativ bescheiden gewesen waren (sie bestanden aus der Herrschaft \u00fcber Norder-, Brookmer- und Auricherland nebst einigen Burgen sowie Turm und Kirche zu Norden sowie h\u00f6chstwahrscheinlich einigen G\u00fctern jenseits der Ems), hatte <span style=\"color: #800000;\">Widzelt<\/span> seine Macht schon bis zur <span style=\"color: #800000;\">Jade<\/span> ausgedehnt. Nur <span style=\"color: #800000;\">Emden<\/span> fehlte Widzelt noch als Perle im Kranz seiner Eroberungen.<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline; color: #993300;\">Dieser f\u00fcr Widzelt Kenisna ausgestellte Lehnbrief brachte <strong>Keno II<\/strong>., den legitimen Erben von Ritter Ocko, um sein Erblehen.<\/span><\/p>\n<p>Es ist bekannt, dass <span style=\"color: #800000;\">Herzog Albrecht von Bayern, Graf von Holland<\/span>, ein Machtmensch gewesen ist, der seine Vorstellungen \u2013 wie im Mittelalter \u00fcblich &#8211; mit Gewalt durchdr\u00fcckte. Er war einer der m\u00e4chtigsten F\u00fcrsten Europas. Albrechts Ziel war es, die Friesen endlich zu unterwerfen. Die Niederwerfung der Stadt Delft und die Verfolgung der Hooks, der politischen Adelspartei (1392), brachten ihn diesem Ziel ein gutes St\u00fcck n\u00e4her.<br \/>\nAuch der viele Jahre herrschende, aufreibende B\u00fcrgerkrieg in Albrechts Grafschaft, in dem sich die Adelspartei und die b\u00fcrgerliche Partei bek\u00e4mpften (Hooks gegen Cods), kam dem Herzog wohl nicht ungelegen.<br \/>\nUm 1398 schien Groningen nach Jahrzehnte w\u00e4hrendem Kampf endlich reif zur Niederwerfung. Daf\u00fcr brauchte der Graf die Unterst\u00fctzung der m\u00e4chtigen H\u00e4uptlinge <span style=\"color: #800000;\">Widzelt Kenisna<\/span> und <span style=\"color: #800000;\">Folkmar Allena (vormaliger Heerf\u00fchrer von Groningen)<\/span>.<br \/>\nSomit ist es sehr wahrscheinlich, dass hier ein Handel stattgefunden hat zwischen dem <span style=\"color: #800000;\">Grafen von Holland<\/span> und <span style=\"color: #800000;\">Widzelt Kenisna.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Diese Hypothese wird gest\u00fctzt durch folgenden Bodenfund der Ostfriesischen Landschaft:<\/span><\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Im Mai 1900<\/span> wurde auf dem Terrain der <span style=\"text-decoration: underline; color: #800000;\">Norder Eisenh\u00fctte<\/span> beim Ausheben einer Baugrube eine 12 cm lange kupferne, patronenf\u00f6rmige R\u00f6hre gefunden, die mit einem Deckel verschlossen war. Derartige \u201eZeitkapseln\u201c werden auch heute noch gelegentlich bei Grundsteinlegungen verwendet.\u00a0 Sie enthielt 108 Silberm\u00fcnzen. Der Fund wurde erstmals ver\u00f6ffentlicht in der Zeitschrift f\u00fcr Numismatik, XXIII. Bd., S. 67. Unter den Silberm\u00fcnzen befanden sich 14 Wittenpfennige von Witzeld (=Widzelt).<\/p>\n<p>Die 14 Exemplare von Norden zeigen auf der Vorderseite den Adler der tom Brok mit der Umschrift <b>Widzaldi Kenisna<\/b>. Die R\u00fcckseite zeigt ein von 4 Kronen umstelltes befu\u00dftes Kreuz im Perlenkreis und die Umschrift \u201eMoneta de Broca\u201c.<\/p>\n<p>Nachdem nun der Lehnbrief von 1398 Widzelt als Ockos Sohn bezeichnet, wirft der M\u00fcnzfund einige Bedenken auf.\u00a0 Warum nennt Widzelt sich auf seinen M\u00fcnzen <span style=\"text-decoration: underline;\"><strong>Widzaldi<\/strong> <strong>Kenisna<\/strong><\/span>? W\u00e4re er Ockos Sohn, m\u00fcsste es korrekt <span style=\"text-decoration: underline;\"><strong>Widzaldi<\/strong> <strong>Ockonis<\/strong><\/span> hei\u00dfen.<br \/>\nDie Namenswahl zeigt, dass Widzelt weder Ockos legitimer Sohn, noch sein illegitimer Sohn gewesen ist. W\u00e4re er illegitim gewesen, so h\u00e4tte Widzelt nach den damaligen Gesetzen der Heraldik in seinem Wappen den <span style=\"text-decoration: underline;\">Bastardbalken<\/span> f\u00fchren m\u00fcssen, einen Schr\u00e4gbalken, der das Wappen teilt. Auch das ist hier nicht der Fall. Tats\u00e4chlich scheint &#8222;Widzaldi Kenisna\u201c ein <b>Sohn<\/b> von Keno I. gewesen zu sein, also ein <span style=\"text-decoration: underline;\">Bruder oder Halbbruder von Ritter Ocko I. <\/span>Dennoch zeigt eine seiner &#8222;Witten&#8220;\u00a0 ein gekr\u00f6ntes &#8222;W&#8220;, eine andere Witte sogar in jedem Winkel eines befu\u00dften Kreuzes eine Krone. Demnach sind die &#8222;Kronen&#8220; nicht einzig und allein auf Ocko I. zugeschnitten gewesen, sondern v\u00f6llig legitim f\u00fcr die &#8222;tom Brok&#8220; verwendbar gewesen.<\/p>\n<div id=\"attachment_2498\" style=\"width: 184px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.von-dehn.de\/site\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/Focko-Ukena.png\"><img decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2498\" class=\"wp-image-2498\" src=\"http:\/\/www.von-dehn.de\/site\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/Focko-Ukena-300x261.png\" alt=\"Focko Ukena\" width=\"174\" height=\"151\" srcset=\"http:\/\/www.von-dehn.de\/site\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/Focko-Ukena-300x261.png 300w, http:\/\/www.von-dehn.de\/site\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/Focko-Ukena.png 528w\" sizes=\"(max-width: 174px) 100vw, 174px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2498\" class=\"wp-caption-text\">Focko Ukena H\u00e4uptling von Neermoor<\/p><\/div>\n<p>Indes, lange konnte Widzelt sich nicht an seinem erschlichenen Erblehen erfreuen. Schon im <b>April 1399<\/b> geriet er mit dem Abt Fulko von Thedingen in Streit. Es hei\u00dft in den Chroniken, das Focko Ukena das Kloster Thedingen widerrechtlich befestigt hatte. Focko Ukena hatte nicht die Verf\u00fcgungsgewalt \u00fcber den Grund und Boden. Niemand, auch nicht die Reichsgewalt, hatte das Recht, auf fremdem Boden eine Wehranlage zu errichten. Wenn er das dennoch tat, war das eine illegale Enteignung. Focko Ukena h\u00e4tte die Gesetze nicht unterlaufen d\u00fcrfen. Das bedeutete aber nun nicht, dass Widzelt als Landesherr das Recht hatte, das Kloster in Schutt und Asche zu legen. Trotzdem eroberte Widzelt das Kloster Thedingen und lie\u00df es niederbrennen.<\/p>\n<p>Dieser Frevel rief die Bisch\u00f6fe von Bremen, M\u00fcnster und Minden (alle aus dem Hause Oldenburg) gegen Widzelt auf den Plan, die mit Heereskraft gegen ihn vorgingen. Das waren: Bischof von M\u00fcnster (1392-1424)<span style=\"color: #800000;\"> Otto IV. von Hoya<\/span>; Bischof von Minden (1398 1402) <span style=\"color: #800000;\">Wilhelm II. von Buchen,<\/span>\u00a0 Erzbischof von Bremen (1395-1406) <span style=\"color: #800000;\">Otto II von Oldenburg<\/span>)<br \/>\n<strong><span style=\"color: #800000;\">Widzelt<\/span><\/strong> hatte nur 80 Mann bei sich, als er von den Heerscharen der Bisch\u00f6fe angegriffen wurde. Er verschanzte sich in der Kirche von <strong>Detern<\/strong>. Die Kirche wurde angesteckt, so, wie er zuvor das Kloster angesteckt hatte. Widzelt ist im April 1399 in der Kirche zu Detern mit etlichen seiner M\u00e4nner umgekommen.<br \/>\nNeben dem H\u00e4uptling <strong><span style=\"color: #800000;\">Ocko II.<\/span><\/strong> (Sohn von Keno II.), der diesen &#8222;Mord&#8220; gegen\u00fcber <strong><span style=\"color: #800000;\">Focko Ukena<\/span><\/strong><span style=\"color: #800000;\"> von Neermoor<\/span> vorgebracht hat, um seinen geplanten Einmarsch im <strong>Saterland<\/strong> zu rechtfertigen, haben sp\u00e4ter auch Historiker vermutet, dass hier ein <span style=\"text-decoration: underline;\"><span style=\"color: #800000; text-decoration: underline;\">Mord<\/span><\/span> vorliegen k\u00f6nnte und zwar aus dem Grunde, weil <strong><span style=\"color: #800000;\">Widzelt<\/span><\/strong> die Herrschaft nicht an <strong><span style=\"color: #800000;\">Keno II.<\/span><\/strong> abgeben wollte. Das scheint sehr plausibel, denn Widzelts Erhebung zum Lehnmann des Grafen Albrecht von Holland bestimmte <span style=\"text-decoration: underline;\"><span style=\"color: #800000; text-decoration: underline;\">Widzelts Nachkommen zu Erben des \u201eunsterblichen Erblehens\u201c<\/span><\/span>. Ritter Ockos wahre Erben wurden damit aus der Erbfolge gestrichen.<\/p>\n<p><strong><span style=\"color: #800000;\">Keno II.,<\/span> <\/strong>Ritter Ockos Sohn, \u00fcbernahm gleich nach <span style=\"color: #800000;\">Widzelts<\/span> <span style=\"color: #800000;\">Tod<\/span> (1399) die Regierung. Damit m\u00fcsste er ca. 25 Jahre alt gewesen sein, denn das M\u00fcndigkeitsalter betrug 12 Jahre, Vollj\u00e4hrigkeit 15 Jahre (Einsetzen in die Regierung mit Beist\u00e4nden, so wie nach Ritter Ockos Tod bei Keno II. mit Foelke und Widzeld geschehen), das Alter f\u00fcr die Regierungsf\u00e4higkeit (als Alleinherrscher) betrug ca. 25 Jahre.<br \/>\n<span style=\"color: #800000;\">Keno II. starb 1417 an den Folgen einer Kriegsverletzung.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Fazit:<\/span> Jener Lehnbrief aus dem Jahre 1398, der Widzelt als <span style=\"color: #800000;\">\u201eOcken Soen\u201c<\/span> bezeichnet, hat offenbar nicht nur die k\u00f6nigliche Kanzlei get\u00e4uscht, sondern \u00fcber Jahrhunderte hinweg die Tatsachen verzerrt. Der oben erw\u00e4hnte M\u00fcnzfund von Norden wirft ein v\u00f6llig anderes Licht auf die Geschichte.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.von-dehn.de\/site\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/Widzelt03.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-150 aligncenter\" src=\"http:\/\/www.von-dehn.de\/site\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/Widzelt03.jpg\" alt=\"Widzelt03\" width=\"244\" height=\"159\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Bodenforschung<\/strong>:<\/p>\n<p>Im Mai 1900 wurde auf dem Terrain der <strong>Norder Eisenh\u00fctte<\/strong> beim Ausheben einer Baugrube eine 12 cm lange kupferne, patronenf\u00f6rmige R\u00f6hre gefunden, die mit einem Deckel verschlossen war. Sie enthielt <strong>108 Silberm\u00fcnzen<\/strong>. Der Fund wurde erstmals ver\u00f6ffentlicht in der Zeitschrift f\u00fcr Numismatik, XXIII. Bd., S. 67. Unter den Silberm\u00fcnzen befanden sich<\/p>\n<p><strong>14 Wittenpfennige von Widzelt<\/strong> (Widzeld) <strong>tom Brok<\/strong> (Regent von 1389 bis 1399)<\/p>\n<p><span style=\"color: #333399;\">sowie ein <strong>Halber Flindrich<\/strong> des H\u00e4uptlings von <strong>Udo von Norden<\/strong> (1421-1433), Sohn von Focko Ukena, Moormeerland. Udo kam in den Besitz des Norderlandes durch die Heirat mit Hymba (Hyma) Itzinga. 1877 wurde ein Goldfund zu <strong>Nordoog<\/strong> gemacht, der <strong>13 Goldgulden<\/strong> Udo\u2019s in f\u00fcnf verschiedenen Pr\u00e4gungen enthielt. Der erste Halbe Flindrich befand sich bereits 1898 im B\u00fcckener Fund. Eine gleiche M\u00fcnze befindet sich im Norder Fund. (Sie misst wie jene 24 mm im Durchmesser, hat aber ein Gewicht von 9,45 gr!) Somit scheint die M\u00fcnze von Norden das Probe-Pr\u00e4gest\u00fcck des Halben Flindrichs zu sein. Dies ist wohl auch der Fall bei den 5 verschiedenen Pr\u00e4gungen der zu Nordoog gefundenen <strong>13 Goldgulden<\/strong>. Das Gepr\u00e4ge ist vorz\u00fcglich erhalten, der Typus der Vorderseite ist \u00e4hnlich der Rittergulden Udo\u2019s.<\/span><\/p>\n<p>Von <strong>Widzeld tom Brok <\/strong>war bis dahin nur eine kleine Silberm\u00fcnze bekannt, die sich bei einem Privatsammler befand (s. M\u00fcnzen Ostfr. I Fig. 66). Die <span style=\"color: #800000;\">14 Exemplare von Norden<\/span> zeigen auf der Vorderseite den <span style=\"color: #800000;\"><strong>Adler der tom Brok<\/strong><\/span>. Die R\u00fcckseite zeigt ein von <span style=\"color: #800000;\">4 Kronen<\/span> umstelltes befu\u00dftes <span style=\"color: #800000;\">Kreuz im Perlenkreis.<\/span> Es sind drei Stempelunterschiede vorhanden.<\/p>\n<p>(Anm.: Die Abbildungen von Widzelts M\u00fcnzen geben nur einen Eindruck wieder. Bessere Abbildungen hat die Landschaftsbibliothek, Aurich. Dort ist auch die Legende gut lesbar.)<\/p>\n<hr \/>\n<div id=\"attachment_3171\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.von-dehn.de\/site\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/AutogrammkarteGunda.png\"><img decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-3171\" class=\"wp-image-3171 size-thumbnail\" src=\"http:\/\/www.von-dehn.de\/site\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/AutogrammkarteGunda-150x150.png\" alt=\"AutogrammkarteGunda\" width=\"150\" height=\"150\" srcset=\"http:\/\/www.von-dehn.de\/site\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/AutogrammkarteGunda-66x66.png 66w, http:\/\/www.von-dehn.de\/site\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/AutogrammkarteGunda-150x150.png 150w\" sizes=\"(max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-3171\" class=\"wp-caption-text\">Gunda von Dehn<\/p><\/div>\n<h2>\u00a0<strong><span style=\"color: #993300;\"><em>Hinweis: Roman Chroniken der tom Brook<\/em><\/span><\/strong><\/h2>\n<h4><span style=\"color: #800000;\"><span style=\"color: #800000;\">Band I-IV &#8222;Chroniken der tom Brook&#8220;:\u00a0 als E-Books\u00a0erh\u00e4ltlich:<\/span><\/span><\/h4>\n<p><span style=\"color: #0000ff;\"><a style=\"color: #0000ff;\" href=\"http:\/\/www.hugendubel.de\/de\/ebook\/gunda_von_dehn-chroniken_der_tom_brook-29133974-produkt-details.html\">http:\/\/www.hugendubel.de\/de\/ebook\/gunda_von_dehn-chroniken_der_tom_brook-29133974-produkt-details.html<\/a><\/span><\/p>\n<h4><span style=\"color: #0000ff;\"><span style=\"color: #800000;\">Band II &#8222;Chroniken der tom Brook&#8220;:<\/span> <a class=\"moz-txt-link-freetext\" style=\"color: #0000ff;\" href=\"http:\/\/store.kobobooks.com\/de-DE\/ebook\/chroniken-der-tom-brook-1\">http:\/\/store.kobobooks.com\/de-DE\/ebook\/chroniken-der-tom-brook-1<\/a><\/span><\/h4>\n<hr \/>\n<p>Letzte \u00c4nderung 05.10. 2023<\/p>\n<hr \/>\n<h5><\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a9 &#8211; Gunda v. Dehn &#8211; &#8222;Flucht&#8220; \u00a0Widzelt Kenisna tom Brok \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u2013 Lehnmann des Grafen Albrecht von Holland &#8211; ruhmvoller Kriegsheld oder ehrloser Usurpator? Wir schreiben das Jahr 1398 im September. In Ostfriesland laufen die Menschen auf allen \u00f6ffentlichen Pl\u00e4tzen zusammen. 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